Plattdeutscher Küernaomeddag
am 15. April 2007

Nach dem Küernaomeddag im November 2006, bei dem der aktuelle Stand der Ausbaumaßnahmen am Dortmund-Ems-Kanal vorgestellt und diskutiert wurde, stand der Nachmittag am 15. April 2007 unter dem Thema "Am, im und auf dem Kanal". Trotz des hochsommerlichen Wetters mit Temperaturen von bis zu 28°C ließen es sich die Heimatfreunde nicht nehmen, auf Lammers Hof über die vielfältigen Einflüsse des Dortmund-Ems-Kanals und später auch des Mittelland-Kanals auf das Leben in Riesenbeck zu sprechen. Bei Gebäck und einem Tässchen Kaffee an geschmackvoll dekorierten Tischen kam das Gespräch zunächst auf die Menschen, die den Kanal bis 1899 gebaut bzw. von 1932 bis 1933 an der ersten Kanalverbreiterung mitgearbeitet haben. So war zu erfahren, dass noch heute die Nachfahren eines holländischen Arbeiters bei Kanalbau sowie eines italienischen Arbeiter bei der Kanalerweiterung in Riesenbeck leben. Auch konnten noch heimische Arbeiter benannt werden, die sich zumindest zeitweise ihr Brot beim Kanalbau verdienten.


Wie üblich luden geschmackvoll gedeckte Tische
die Gäste zu Kaffee und Gebäck ein.

Berichtet wurde auch von Sprengungen des Klippgesteins, die bei den Bauarbeiten erfolgten. Wenn das Signalhorn dreimal blies, mussten die Kinder ein Haus aufsuchen. Dies gewährleistete eine gewisse Sicherheit vor den bis zu einigen hundert Meter weit umherfliegenden Gesteinsbrocken. Dem tiefen Einschnitt in die natürliche Landschaft fiel manches Haus zum Opfer. Neben einigen Heuerhäusern mussten auch zwei Bauernhöfe dem Kanal weichen. Für die Menschen bedeutete der Kanal besonders in den Anfangsjahren eine Trennung. Scherzhaft benannte man fortan die Bewohner jenseits des Kanals als "Berghasen".
Mit dem Kanalbau erfolgte auch eine Trennung für viele der im Teutoburger Wald entspringenden Bäche in ihrem natürlichen Fortfließen. Nur der Wennemer Bach mündet heute noch in der Flötte, weil es für ihn einen Düker unter dem Kanal gibt. Dagegen endet der Lauf des Gels- Kaiser- und Brumley-Baches sowie vieler kleinerer Rinnsale am oder im Kanal. Die Reinhildis-Quelle versiegte und tritt heute aus dem bergseitigen Kanalufer aus. Heute ist kaum vorstellbar, dass der Kaiserbach früher genügend Wasser hatte, um eine kleine Wassermühle an der Tecklenburger Straße in Birgte anzutreiben.
Grundstücke und Äcker waren nach dem Kanalbau teilweise nur noch auf Umwegen über Brücken zu erreichen. Besonders einschneidend wirkte die beabsichtigte Unterbrechung des Weges vom Dorf zum Windmühlenhügel. Dort stand Neuhaus Mühle, die das Korn mahlte. Kurz nachdem die Gemeinde bereits die Unterstützung durch die Regierung in Münster für eine schmale Kanalbrücke erreicht hatte, brannte die Mühle ab, und das Vorhaben war damit hinfällig geworden.


In gemütlicher Runde wurde intensiv erzählt, diskutiert und berichtet.

Lebendig wurde auch die Zeit im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Zur Versorgung mit genügend Löschwasser für den Fall größerer Bände im Dorf legte man eine Verrohrung vom Dortmund-Ems-Kanal zum Abwasserkanal an. Etwa in Höhe der mächtigen Kastanie am „Gelsbach“ verschloss ein Schieber den Wasserzulauf vom Kanal. An der Schmiede Storck diente ein weiterer Schieber zum Aufstauen des zufließenden Wassers. Zwar wurde der Löschkanal mehrfach probeweise geflutet, benötigt wurde er jedoch nicht.
In Folge des Krieges waren alle Riesenbecker Brücken über den Kanal gesprengt und später beseitigt worden. Nach der Reparatur des Kanals ließ sich der Kanal mit einer Fähre in Höhe des Hauses Dankau und einer in Birgte bei Wölte überqueren. Daneben gab es eine Behelfsbrücke nahe der heutigen Birgter Brücke, die noch lange Jahre ihren Dienst tat.
Aus den vielen Erzählungen der Teilnehmer war weiter zu erfahren, welche Schiffseigner sich in Riesenbeck angesiedelt haben. Deren Schiffe führten die Namen wie „Anna“, „Alma“ und „Amor“ sowie „Rolf“. Noch heute verkehren auf dem Kanal die „Herdith“, die „Nicola“ und „Monte Wymper“ ebenso wie die Riesenbecker Schiffe mit den männlichen Namen „Andreas“, und „Thorsten“.
Es gab also viel zu berichten beim Küernaomeddag in deftigem Münsterländer Platt!
Text und Bilder: Klaus-Werner Kahl
 
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