Grabplatte von 1644 in Riesenbeck entdeckt
Bericht aus dem Hörsteler Stadtmagazin Nr. 64 von Mai 2007 von Josef Keller und Werner Paetzke

Bei der Restaurierung der Kreuzwegstation am Chorraum der Katholischen Kirche in Riesenbeck machte Martin Paetzke eine sensationelle Entdeckung. Drei große Sandsteinplatten vor der Kreuzwegstation sollten aufgenommen und höher gelegt werden. Bei dem Aufnehmen der Sandsteinplatten schaute er unter eine Platte und traute seinen Augen nicht. Die Unterseite der Sandsteinplatte zeigte eine einwandfrei erhaltene Grabplatte.

Die Grabplatte wurde in die Werkstatt transportiert und schonend gereinigt. Bei der Reinigung wurde schon deutlich, dass es sich um eine einmalige westfälische Bildhauerarbeit aus der Renaissance handelt. Die Grabplatte besteht aus Baumberger Sandstein, der in der Gegend von Havixbeck gewonnen wird.
Bei der Darstellung auf der Grabplatte handelt es sich um die ade lige Dame "Agnes von Assewin", Gattin des "Langen von Monster zu Surenburg". Die Grabplatte entstand in dem Sterbejahr der Agnes von Assewin im Jahre 1644. Die halbplastische Frauendarstellung der Agnes von Assewin ist in einen Architekturrahmen aus Säulen mit Basen und Kapitellen gesetzt. Der Kopf wird von einem angedeuteten Torbogen mit den typischen Renaissance-Schmuckelementen umrahmt. Über dem Kopf zwei Schriftbänder mit den Namen Assewin und Wachtendonck.
Grabplatte einmaliger Renaissance Bildhauerarbeit aus Baumberger Kalksandstein, die Halbplastik ist filigran ausgearbeitet, die Wappen und Ornamente zeigen den Höhepunkt der Bildhauerkunst aus dem 17. Jahrhundert.

Der ausdrucksstarke Kopf mit der auffälligen Haartracht und dem reich verzierten Kronenkäppchen. ruhen in einer präzise ausgearbeiteten Muschel. Bei der Darstellung des Gesichtes kann es sich um ein Portrait handeln, da das Gesicht sehr charakteristische Züge aufweist. Die schlichten Säulen werden von acht aufwendigen Wappen verziert. Die Helmzier über den Wappen ist sehr anspruchsvoll ausgearbeitet.
Bei den Wappen, die noch identifizierbar sind, handelt es sich um die Wappen adeliger Familien.
Im oberen Bereich die Wappen von Assewin und Wachtendonck, die linke Säule wird von unten nach oben von den Wappen "Wihe van Echtelt" und zwei nicht mehr eindeutig lesbaren Wappen verziert. Die rechte Säule trägt die  Wappen der Familien "Haess", .,Schenek von Nideck" und dem Wappen von "Merode".
 


Der Kopf der Verstorbenen mit auffälliger Haartracht, einem gestickten Kronenkäppchen eingebettet in eine Muschel und umrahmt von ging und heute nicht mehr ablesbar reicher Renaissance-Ornamentik. Besondere Beachtung sei auf das Obergewand mit der Randstickerei gelenkt.
 

Die untere Schriftkartusche ist mit lateinischem und altdeutschem Text beschriftet. Die altdeutsche Schrift lautet sinngemäß:

 NU KUMET INS RECHT VATTER LANDT
 WIR BLEIBEN NOCH IM UNGLÜCKS STANOT
 FROLICH LEBS TU IM HIMMELS SAEL
 WIR SEINDT NOCH HIE IN ANGST UND QUAEL

Der lateinische Schrifttext müsste noch übersetzt werden.


Schriftkartusche mit lateinischem und altdeutschem Schrifttext.
Rechts der Schriftkartusche hält ein Genius die Sanduhr als Symbol für die Zeit und Vergänglichkeit auf dieser Erde. Links der Kartusche hält ein Genius den Totenschädel als Symbol für die irdische Vergänglichkeit und den Tod.
  

Symbolische Darstellung der irdischen Vergänglichkeit mit dem Totenschäden und dem Genius, der sich auf den volutenförmig verzierten Rahmen der Schriftkartusche stützt.
  
An dem Rankwerk rechts und links der Kartusche ist abzulesen, dass die Renaissance als Kunststil 1644 in ihrer Blüte steht und bald von der Barockzeit abgelöst wird, da das Rankwerk in seiner Verspieltheit bereits Barockelemente zeigt. Die gesamte Grabplatte ist mit einem Schrifttext umrahmt, der leider größtenteils verloren ging. Bruchstückhaft lässt sich noch Surenburg, Agnes und Assewin mit der Jahreszahl 1644 entziffern. Der Schrifttext ging verloren, als die Platte in ihrer Breite reduziert wurde und offenbar zu einer anderen Grabplatte umgearbeitet wurde. Dem Zufall ist es zu verdanken, dass die älteste Darstellung "Agnes von Assewin" auf der Grabplatte erhalten blieb und die spätere Umarbeitung zu einer anderen Grabplatte restlos verloren ist. Bei dieser Grabplatte handelt es sich zweifellos um historische Bildhauerarbeit einmaliger Qualität von unschätzbarem Wert aus der Renaissance. Der hervorragende Erhaltungszustand dieser Grabplatte ist auf den Zufall zurückzuführen, dass diese Grabplatte seit über 150 Jahren unberührt mit der jetzt sichtbaren Seite in der Erde lag und keiner direkten Witterung ausgesetzt war.
Von dieser Grabplatte aus Riesenbeck ist zu sagen, dass sie in der Qualität ihrer bildhauerischen Aussage und dem guten Erhaltungszustand in Westfalen und der weiteren Umgebung ihresgleichen sucht.
Zukünftig soll diese Grabplatte in der Riesenbecker St. Kalixtus Kirche geschützt aufgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 
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