Van Baum un Struuk in't Glas in'n Buuk
Küernaomeddag am 28. August 2007

In gemütlicher Runde drehte sich beim plattdeutschen Küernaomeddag des Heimatvereins Riesenbeck am Sonntag alles um das Ein- und Haltbarmachen von Lebensmitteln unter dem Motto „Van Baum un Struuk in’t Glas in’n Buuk“. Nach einer kurzen Einführung von Dr. Klaus-Werner Kahl über die Geschichte des Konservierens entfachte sich ein lebhaftes Gespräch an den passend dekorierten Tischen.

 Im Gegensatz zu heute, wo man fast über das ganze Jahr jegliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse frisch, vielfach zumindest als Tiefkühlkost erwerben kann, gehörte es zum Leben dazu, die Versorgung der hungrigen Mäuler über den Winter hinaus mit solchen Lebensmitteln sicherzustellen. Was heute in der Bevorratung so einfach und selbstverständlich hingenommen wird, erforderte früher zum Teil große Mühen. Lange Jahre hatte man nur beschränkte Möglichkeiten, Lebensmittel haltbar zu machen. So berichteten die Teilnehmer, wie Schnittböhnchen und geschabter Weißkohl in Salz eingelegt und solange gestampft werden mussten, bis der Saft über dem Eingelegten lag. Für Äpfel, Möhren und Rüben legte man Mieten an, Früchte wie Äpfel, Birnen oder Pflaumen dörrte man im offenen Backkasten des Küchenherdes. Nahezu revolutionär war eine Erfindung des deutschen Chemikers Dr. Rudolf Rempel aus Gelsenkirchen. Er erhielt am 24. April 1892 das Patent für ein Einmachglas. Diese Erfindung kaufte Johann Weck und vermarktete ab 1900 nicht nur Einmachgläser, sondern auch alles Zubehör zum Einkochen wie Einkochringe und Einkochtöpfe. Noch heute bezeichnet man Einmachgläser häufig als „Weck-Gläser“. Das Einmachen in Gläsern, das sogenannte Einwecken, erfolgte damals in einem Kessel auf dem Herd oder aber auch im Schweinetopf. Wie die Teilnehmer sich erinnerten, kamen die elektrischen Einkocher wohl zu Anfang der siebziger Jahre auf und erleichterten die Arbeit enorm. Einmachgläser mit Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst zu füllen, war die normale Vorgehensweise. Aber solche Gläser, die übrigens auch in der Hörsteler Glashütte produziert wurden, eigneten sich auch zum Fang von Ratten, wie ein Teilnehmer stolz aus seinen Jugendjahren berichtete. Schlecht war es einem wahren Naschkätzchen ergangen, dessen Kopf in einem fast leeren Wurstglas stecken blieb. Bei der panischen Flucht der Katze zersplitterte das Glas, nur ein Ring um den Hals blieb erhalten und musste zu ihrer Befreiung zertrümmert werden.

Durchaus eine Konkurrenz zum Einmachglas waren Blechdosen, die man vornehmlich zur Konservierung von Wurst und Fleisch benutzte. Die seinerzeit teuren Dosen fanden eine Mehrfachverwendung. Nach dem Öffnen der Dosen und dem Verzehr des Inhaltes ging man zum Geschäft Storck ins Dorf, um wieder einen glatten Rand herstellen zu lassen. Nach dem erneuten Befüllen der nun rund einen Zentimeter kleineren Dosen ging es z.B. mit einem Bollerwagen erneut zu Storcks, um die Dosen mit neuen Deckeln verschließen zu lassen. Die verschlossenen Dosen waren nun so lange zu kochen, dass die Luft entwich und der Inhalt haltbar wurde. Die Schneid- und Verschluss-Maschine ist übrigens im Landmaschinenmuseum zu bewundern.
So manches Döönken rankte sich noch um die Schwierigkeiten, die Gläser zuzukochen oder später wieder zu öffnen. Außer an geplatzte Gläser beim Einkochen erinnerten sich alle Teilnehmer besonders auch an solche Gläser, die im Keller aufgingen und durch einen äußerst üblen Geruch auf sich aufmerksam machten.
Schließlich stellte sich die Frage, wie die Speisen wohl in fünfzig Jahren aussehen könnten. Bald war man sich einig, dass unsere Kinder sich wohl nicht von Nährlösungen und Astronautenkost ernähren werden, denn die Augen wollen später so wie heute gewiss auch noch mitessen! Und dabei naschte der eine oder andere schnell noch ein von Helga Gilke und Jutta Kahl selbstgebackenes, köstliches Plätzchen.

Text und Bild: Klaus-Werner Kahl

  
 zurück