Beim plattdeutschen Küernaomeddag des Heimatvereins Riesenbeck drehte sich unter der Leitung von Dr. Klaus-Werner Kahl alles um die die Fastenzeit und Ostern.
Ein Gesprächsthema bezog sich auf den ungewöhnlich frühen Termin für das Osterfest am 23. März und damit natürlich auch für den Beginn der Fastenzeit. Als beweglicher Feiertag wird Ostern seit dem Konzilbeschluss von Nicäa im Jahre 325 immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert. Damit liegt das Fest zwischen dem 22. März und dem 25. April. In den letzten 300 Jahren fiel der Ostersonntag immerhin fünfmal auf den 23. März (1704, 1788, 1845, 1856, 1913), aber nur zweimal, nämlich 1761 und 1818, noch einen Tag früher. Erst im Jahr 2169 wird das Osterfest wieder am 23. März gefeiert.
Früher kamen den Nachbarschaften, die sich Fastnachten nannten, mit ihren strengen Regeln noch eine sehr große Bedeutung zu. So war es Pflicht der fünf großen Bauern Grotemeyer, Lütkemeyer, Stegemann, Sundermann und Westermann, das Fastnachtsfest, den Fastaomd, abwechselnd zu geben. Alle Leute hatten frei und die Bauern müßten ihre Arbeit selber verrichten. Weil das Fest in Riesenbeck nach einem Bericht geradezu ausartete, schaffte der Domherr Püngel, der damals Pfarrer in Riesenbeck war, vor seinem Weggang nach Münster um 1840 das Fest ab. Dafür führte es das 40stündige Gebet ein.
Nach dem „Fastaomd“ begann mit dem Aschermittwoch in diesem Jahr bereits am 6. Februar die vierzigtägige Fasten- oder Passionszeit, wie sie seit dem 11. Jahrhundert genannt wird. Auf der Synode von Benevent 1091 wurde unter anderem der Beginn und das Ende der Fastenzeit festgelegt. Sie endet mit dem Karfreitag. In der Fastenzeit liegen sechs Sonntage, die nicht als Fastentage mitgerechnet werden (sonst hätte die Fastenzeit 46 Tage). Der Palmsonntag leitet die Karwoche ein. In früheren Jahren kam dem Aschermittwoch eine bedeutendere Rolle zu als heute. Das Aschekreuz auf die Stirn als Zeichen der Buße „holte“ sich nahezu jeder Gläubige aus der Kirche ab, der Fast- und Abstinenztag wurde sehr ernst genommen.
In der Fastenzeit fanden öffentliche Feiern sowie Hochzeiten nicht statt, der Genuss von alkoholischen Getränken unterblieb. Auch auf Fleisch von Säugetieren, Eier und Milchprodukte sollte verzichtet werden. Den Heuerleuten war auferlegt, die Eier in der Fastenzeit durch Kochen haltbar zu machen und an die jeweiligen Herren abzugeben. Damit man gekocht und ungekochte Eier unterscheiden konnte, färbte man die Eier mit natürlichen Farben.
Für die Kinder war der Verzicht auf die damals sowieso wenigen Süßigkeiten und Leckereien nicht immer leicht. Wenn es zu Palmsonntag den Palmstock gab, der nach oben mehrfach gegabelt und an den Enden mit Buchsbaum, bunten Bändern und Süßigkeiten bzw. Obst geschmückt war, kam das Ende der Fastenzeit in Reichweite. Die in der Kirche geweihten Buchsbaumbüschel erhielten in den Wohnungen einen Platz zum Beispiel an Kreuzen und Heiligenbildern.
Eine lange Tradition hat die Karfreitagsprozession in Riesenbeck, die
vom ersten Bild des Stationsweges der Kirche St. Kalixtus bis zur fünften und
letzten Station auf den Berg unweit der Schönen Aussicht führt. Selbst zu Ende
des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 nahmen noch viele Riesenbecker an dieser
Prozession teil, obwohl sie verboten worden war.