Plattdeutscher Küernaomeddag
am 30. November 2008

Im Mittelpunkt der Gespräche auf dem Plattdeutschen Küernaomeddag stand die Kirmes. Ihren Ursprung hat die Kirmes als Kirchweihfest, also dem Fest zur Einweihung der Kirche bzw. des Altars. Nach und nach hat sich die Kirmes zu einem Volksfest ohne kirchlichen Bezug entwickelt. In dem Buch „Riesenbeck – Aus Vergangenheit und Gegenwart eines münsterländischen Dorfes“ wird aus einem Visitationsbericht aus dem Jahre 1697 wie folgt zitiert: „Der Weihetag wird zweimal im Jahr gefeiert, nämlich am 1. Sonntag nach Dreifaltigkeit und am 2. Septembersonntag.“ Demnach fand die Kirmes in Riesenbeck schon im 17. Jahrhundert jeweils sonntags statt. Auch mag verwundern, dass zweimal im Jahr ein Kirchweihfest stattfand. Wie es zu zwei verschiedenen Festtagen kam, ließ sich auf dem Küernaomeddag nicht eindeutig klären. Im Jahr 1482 wurde an die zweite Kirche ein Chor angebaut wurde und im selben Jahr auf Reminiscere, also dem 2. Fastensonntag, der neue Altar eingeweiht. Da das Feiern in der Fastenzeit untersagt war, ist denkbar, dass das Kirchweihfest nach der Fastenzeit bzw. Ostern stattfand. Der Termin der Herbstkirmes liegt um das Fest Mariä Geburt, dem 8. September. Die Kirche war nicht nur dem Kirchenpatron St. Kalixtus, sondern darüber hinaus unter anderem auch Mariä Virginis geweiht. Möglicherweise geht der Herbstkirmestermin also hierauf zurück.

Ungeklärt blieb die Frage, wann die Riesenbecker Frühjahrskirmes abgeschafft wurde. Keiner der Teilnehmer konnte sich an eine solche Kirmes erinnern. Demnach kann man davon ausgehen, dass dieses Frühjahrsfest zumindest während bzw. nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr stattgefunden hat.

Am Kirmessonntag und –montag der Septemberkirmes hatten einige Geschäfte, z.B. das Spielwarengeschäft Nähring, geöffnet. Der Montag war für die Mitarbeiter der Fa. Heinrich Niemeyer Söhne arbeitsfrei. Dagegen suchten die älteren Kinder am Montag Nachmittag stets Kartoffeln und verdienten sich damit ein bescheidenes Kirmesgeld von 50 Pfennig.

Kirmes im Dorf in der Zeit zwischen 1930 und 1936

  

Auf öffentlichen Straßen und Plätzen wurden Buden und Karussells aufgestellt. Die Kirmes fand viele Jahre auf der heutigen Heinrich-Niemeyer-.Straße von der Dorfmitte, dem früheren Clemens-August-Platz, bis zum ehemaligen Haus Schürmann (heutiger Bereich der Lindenapotheke) statt. Die zeigt auch ein Bild aus dem Archiv des Heimatvereins, das in der Zeit zwischen 1930 und 1936 entstand. Viele Teilnehmer erinnerten sich bis in ihre Kinder- und Jungendjahre zurück an die älteren Kirmesplätze und die Karussells und Buden. So stand bei Schmedding stets das Kinderkarussell. Ein Kettenkarussell lockte auf dem Platz vor Bauer Leugers, die Schiffschaukel stand auf dem Kirchplatz. Vor der Gaststätte Leugers konnte man seine Kräfte am „Haue den Lukas“ messen, während die Kinder bei Grave (heutiger Bereich der Sparkasse) dem Kasperle-Theater zuschauen konnten. Zur Kirmes gehörte auch der von einem Pferd gezogene Kuchenwagen von Attermeyers.

Zu Anfang bzw. Mitte der 1950er Jahre wurde die Kirmes auf den Schulplatz verlegt, also in den Bereich, wo nun die größeren Fahrgeschäfte aufgebaut werden.

Eine besondere Tradition pflegten die Vertreter des Gemeinderates. Am Samstag vor Kirmesbeginn, der sonntags nach dem Hochamt lag, trafen sich die Ratsherren in der Gaststätte Stratmann zum „Kiärmes anschuwen“. Diese selten „trockene“ Veranstaltung pflegten sie bis1974. Nach der kommunalen Neugliederung zum 01.01.1975 wurde der Brauch nicht mehr aufrecht gehalten.

Von den vierzehn Teilnehmern war also viel auf dem außergewöhnlich lebhaften Küernaomeddag des Heimatvereins Riesenbeck zu erfahren.

 

Bericht von Klaus-Werner Kahl
 
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