Sollte Riesenbeck jemals einen Eisenbahnanschluss bekommen?
Küernaomeddag am 1. Februar 2009

Beim plattdeutschen Küernaomeddag des Heimatvereins Riesenbeck wurde es eng im Kaminzimmer auf Lammers Hof! Fast dreißig Freunde des Plattdeutschen versuchten anhand von Berichten und Protokollen zu klären, ob Riesenbeck jemals einen Eisenbahnanschluss bekommen sollte. Unter Mithilfe von Josef Keller, dem Emsdettener Josef Eggers sowie der Heimatvereine Bevergern und Hörstel hatte Dr. Klaus-Werner Kahl reichhaltiges Material zusammengetragen. Nach einem historischen Rückblick in die Pionierzeit der Eisenbahn 1835 und einem Überblick über den rasanten Bau des Schienennetzes anhand von Karten aus verschiedenen Jahren ging es zunächst um den Anschluss Riesenbecks an die sogenannte „Westbahn“. Sie verbindet seit 1856 die Städte Osnabrück und Rheine. Ursprünglich war eine Strecke von Osnabrück nach Lingen geplant, aber auf Initiative der Stadt Rheine entschied man sich für die Linienführung über Ibbenbüren nach Rheine. Wie aus einer Akte im Stadtarchiv zu entnehmen ist, setzte sich der damalige Riesenbecker Bürgermeister Funcke zusammen mit dem Leiter der Gravenhorster Hütte, Alex Crespel, für einen Anschluss dieser Eisenhütte an die Eisenbahn und nicht für einen Haltepunkt in der Nähe des Dorfes Riesenbeck ein, um die bedeutende Hütte wirtschaftlich zu stärken. Eine Verbindung über Riesenbeck selbst statt durch die damalige Bauerschaft Hörstel wäre ohnehin nur mit erheblichem Mehraufwand verbunden gewesen, weil die Höhenzüge des Teutoburger Waldes zu überwinden gewesen wären.

       

Noch weit vor dem Beginn der Veranstaltung gab es schon angeregte Gespräche.

Große Hoffnungen auf einen Eisenbahnanschluss machte sich Riesenbeck, als die Linie Rheine – Lengerich mit Anschluss über Gütersloh nach Hövelhof, der Teutoburger Wald-Eisenbahn (TWE), geplant wurde. Die Stadt Bevergern war bereit, 62.000 Mark, die Gemeinde Riesenbeck 137.000 Mark für den Bau der Bahn und die Betriebsgebäude bereitzustellen. Eine Karte aus dem Jahr 1895 zeigte den Teilnehmern der lebhaften Runde die Streckenführung nördlich der Gehöfte Hallmeier und Junge Bornholt, wo ein Haltepunkt eingerichtet werden sollte. Starke Bestrebungen Ibbenbürens, das den Absatz der Kohle erleichtern wollte, sowie der Rückzug der Stadt Rheine aus dem Projekt wegen der Aussichten auf eine Bahnlinie Rheine – Piesberg (der heutigen Tecklenburger Nordbahn) führten zur noch heute bestehenden Streckenführung der TWE ab Brochterbeck nach Ibbenbüren. Alle Versuche Bevergerns und Riesenbecks, dennoch einen Anschluss zu erreichen, schlugen trotz der in Aussicht genommenen hohen finanziellen Beteiligungen fehl. Gerade auch die Firma Heinrich Niemeyer und Söhne hatte größtes Interesse an der preiswerten Transportmöglichkeit.

Erneute Hoffnung keimte 1898 auf, als Borghorst eine Planung vorgelegte, die eine Eisenbahnverbindung zwischen dem im Bau befindlichen Dortmund-Ems-Kanal bei Riesenbeck über Emsdetten vorsah. Mit viel Engagement setzte sich das Amt Riesenbeck für die Verwirklichung der Planungen ein. Vielerlei Schwierigkeiten, wie die Querung der Eisenbahnstrecke Münster – Rheine in Emsdetten oder die Überwindung der Ems verzögerten jedoch den Baubeginn. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, stoppte man alle Aktivitäten. Schließlich war der Bau der Eisenbahn wegen der enorm gestiegenen Materialkosten nach Ende des Krieges 1918 nicht mehr rentabel.

Nach der Erfindung des Automobils begann etwa ab dem Jahr 1900 die „Chaussierung der Landwege“, also der Auf- und Ausbau eines Straßennetzes in verstärktem Maße. Je besser die Straßen mit der Zeit ausgebaut und je mehr Omnibusse und Lastkraftwagen zur Verfügung standen, um so größer wurde die Konkurrenz zur Eisenbahn. So war es nicht verwunderlich, dass man die Pläne zum Bau einer Eisenbahnlinie nach bzw. durch Riesenbeck schließlich fallen ließ.

Eine alte Blecheisenbahn zierte die Tische

Mit soviel „Eisenbahn für Riesenbeck“ hatten viele Teilnehmer des Küernaomeddags wohl nicht gerechnet. Und so gingen die Diskussionen auch noch nach Ende der Veranstaltung angeregt weiter.

 

Text und Bilder: Klaus-Werner Kahl

  
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