Rückblick auf 200 Jahre Kirchbaugeschichte in Riesenbeck
Mit den frischen Eindrücken aus der gerade renovierten Kirche St. Kalixtus kamen viele Besucher zum plattdeutschen Küernaomeddag, zu dem der Heimatverein Riesenbeck eingeladen hatte. In der Veranstaltung ging es um die baulichen Änderungen der Kirche sowie um die Veränderungen im Inneren des Gotteshauses seit dem Neubau 1809. Zunächst stellte sich die Frage nach dem Aussehen der Vorgängerkirche. Leider konnte niemand eine Zeichnung oder gemaltes Bild vor ihr zeigen. Der Heimatverein hofft, ein solches Bild in älteren Unterlagen zu finden. Für Hinweise wäre er sehr dankbar.
Wie aus der Chronik hervorgeht, blieb der Turm der Vorgängerkirche nach ihrem Abbruch erhalten. Da er das neue Kirchdach nur wenig überragte, bestand schon bald der Wunsch, ihn zu erhöhen. Dies geschah ab 1850 durch die Fa. Hagemann in Hörstel, wobei die frühere geschweifte Spitzdachform erhalten blieb. Den alten barocken Hochaltar, der 1813 aus dem früheren Kloster Aschendorf nach Riesenbeck gekommen war, entfernte man 1853 und gab ihn an die Kirche St. Antonius zu Vinnen im Hümmling. Dort ist er noch heute zu bewundern.
Zusammen mit dem Altar kam übrigens auch die Orgel aus Aschendorf nach Riesenbeck in die Kirche St. Kalixtus. Das Orgelprospekt der heutigen Orgel stammt von der alten Aschendorfer Orgel.
Einen Dachreiter mit einer sogenannten Pängelglocke bekam das Dach über dem Chor im Jahre 1920. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die teilweise zerstörte Kirche wieder instandgesetzt werden. Insbesondere waren die großen Fenster der Dorfseite, die nach einem Bombenangriff 1945 herausgedrückt worden waren, zu erneuern. Nach Teilnehmerangaben fertigte die Gießerei der Firma Niemeyer neue gusseiserne Fensterrahmen. Auch ein großer Kronleuchter fiel dem Bobenangriff zum Opfer, der kleinere, heute noch erhaltene, überstand den Angriff.
Wohl in den 1950er Jahren entfernte man den äußeren Treppenaufgang zur Orgelbühne, zum sogenannten Buernbüörn. Die Erinnerungen an das Bauwerk waren aber sehr unterschiedlich bis gar nicht vorhanden. Nun wird versucht, genauere Informationen aus Archivmaterial zu bekommen. [Wie Theo Schäfers im Archiv recherchierte, wurde das untenstehende Bild im Mai 1968 aufgenommen. Im August 1968 war der Treppenaufgang am Turm auf einem weiteren Bild schon nicht mehr vorhanden.]

Das frühere Treppenhaus vom Innern der Kirche zur Orgelbühne (Bild: Archiv HV Riesenbeck, Mai 1968)
Auf eine Renovierung im Jahre 1953 folgte elf Jahre später die Außenrenovierung des Gebäudes. In diesem Zuge erhielt der Kirchturm einen neuen, 90 cm hohen dreifach vergoldeten Wetterhahn. Einen größeren Umbau erfuhr die Kirche im Jahre 1968, als unter anderem auch die Kanzel, das alte Chorgestühl, der Hochaltar sowie die Kommunionbänke entfernt wurden, und der Innenraum ein gänzlich anderes Aussehen bekam. Daneben erhielt die Kirche ihre heutige Sakristei. Wie dieser Anbau aussah, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Ein Bild aus dem Archiv des Heimatvereins zeigt aber, dass es sich um einen im Grundriss abgeschrägten turmartigen Anbau mit drei Fenstern handelte. Zu begehen war der Aufgang aus der Kirche heraus. Dort, wo das Treppenhaus stand, weist der Kirchturm aus Sandstein heute eine unansehnliche, verputzte Stelle. Das Bild zeigt zudem den früheren Windfang zur Bergseite hin, der ebenfalls abgebrochen, die Tür zugemauert wurde. Das Dach erhielt anstelle von Schieferplatten Tonziegel als Bedeckung.
Lebhafte Diskussionen kamen auch über die Veränderungen im Innenraum der Kirche auf. Viele erinnerten sich noch an die Tafel, in die die Liednummern von Hand gesteckt wurden. Später zeigten schaltbare Lampen an, welches Lied an der Reihe war. Danach steckte der Organist Dias mit den entsprechenden Liednummern in einen Projektor, der die Zahlen an die Wand vor dem Chor warf. Nun erscheinen die Liednummern mittels einer digitalen Anzeige, ähnlich der Lampenanzeige.
Rätselraten kam bei der Frage nach dem Verbleib des früheren rötlichen Marmor-Taufsteins auf, der gegen Ende der 1980er Jahre für 25 Jahre ausgeliehen wurde. Für ihn holte man den alten Taufstein aus Sandstein, der dem Piusstein außerhalb der Kirche als Sockel gedient hatte, zurück in das Gotteshaus. Für Hinweise auf den Verbleib des Marmor-Taufsteins ist der Heimatverein dankbar. [Inzwischen wurde geklärt, dass der Taufstein in der Effata-Kirche (Jugend-Kirche) in Münster aufgestellt ist. Sie befindet sich in der Nähe des Stadttheaters]
Mit diesem lebhaften Küernaomeddag hat der Heimatverein Riesenbeck dank der zahlreichen Gäste wieder ein kleines Stück Riesenbecker Geschichte wach werden lassen.
