Plattdeutsche
Küernaomeddage
am
27. September und 22. November 2009
Trotz des herrlichen Herbstwetters nahmen überraschend viele Freude des Plattdeutschen und der Natur am Küernaomeddag des Heimatvereins Riesenbeck teil. Im Mittelpunkt der Gespräche standen plattdeutsche Namen von Pflanzen, die in unserer Region im Garten, auf Wiesen und Feldern oder am Wegesrand und im Wald wachsen. Weil bekanntlich ein Bild mehr als tausend Worte sagt, wurden Fotos auf eine großformatige Leinwand projiziert. Bereits beim ersten Bild eines Getreidefeldes mit Mohn und Margeriten begann eine rege Diskussion. Natürlich kannte jeder Teilnehmer die hochdeutschen Namen dieser Blumen. Die plattdeutschen Namen „Maon“ oder „Klapperrause“ für den Mohn bzw. „Rüenblome“ für die Margerite hingegen waren weniger gut oder gar nicht bekannt. Hilfreiche Informationen zu den Namen streute ein Gast aus Bevergern anhand einer Liste aus dem Jahre 1930 ein. Während man den im Garten so gefürchteten Giersch in Riesenbeck als Gäse bezeichnet, heißt er landläufig auch Gäsek. Mancher Teilnehmer lobt den herrlichen Geschmack der jungen Gierschblätter, die früher als Gemüse angerichtet wurden. Dies wird deutlich auch in dem Vers „Niëdeln un Gäse un een Stük van de Swinemäse sint dat Schöönste, wat et giw!“ Während der Giersch von der Speisekarte verschwunden ist, erfreuen sich die Blaubeeren, vielerorts als „Bikbiärn“ bekannt, noch großer Beliebtheit. In Riesenbeck ist auch der Name „Bibkes“ für die blauen Früchte geläufig. Hin und wieder findet man auch weiße Beeren. Recht anschaulich ist unter anderem der Name „Dannenappel“ für einen Tannenzapfen. Für das im Garten äußerst ungeliebte, seit etwa 1910 überall vorkommende Franzosenkraut wirkt der Name „Düwelskruud“, also „Teufelskraut“ schon recht drastisch. Diese in Peru heimische Pflanze kam im Jahr 1794 in die botanischen Gärten von Madrid und Paris, später auch nach Karlsruhe. Dort wilderte sie sich aus und machte sich in ganz Deutschland breit. Wie Teilnehmer berichteten, wird man ihr nur dann Herr, wenn man die Pflanze bereits vor der Blüte jätet. Apropos Blüte: Die augenscheinlich unscheinbare Blüte entpuppt sich in der Nahaufnahme als Meisterwerk der Natur! Wie schwärmte eine Teilnehmerin: „Es ist doch faszinierend, die Schönheit des zumeist verächtlich ausgerissenen Unkrauts auf riesigen Bilden zu bewundern!“

Blüte des Franzosenkrautes
Winzige Blüten hat der Feld-Ehrenpreis. Leider kannte niemand die plattdeutschen Bezeichnungen für den Feld- sowie den Gamander-Ehrenpreis oder den verbreiteten Floh-Knöterich. Die Suche geht also weiter! Dagegen gelang es unter anderem durch einen kundigen Gast aus Ibbenbüren, beispielsweise die Namen des „Langen Heinrich“ als „Kattenstiärt“, also „Katzenschwanz“, sowie der Dahlie, der „Georgine“ zusätzlich als „Pastorenblome“ zu klären. Den Weißdorn, zumeist bekannt als „Haagdäön“, nennt man zusätzlich „Smoltbiären“, also „Schmalzbeeren“. Die Blätter des Gagel, vielen noch als „Gruut“ bekannt, benutzte man früher bei der Herstellung von Bier. Aufgrund seiner aggressiv machenden Wirkung sollte er auf Befehl der Obrigkeit ausgerottet werden. Wie zu hören war, streute man die Blätter des Gagel auch in Hühner- und Hundeställe, da sie Flöhe vertrieben. So kam zusätzlich der Name „Flaukruud“ für diese Pflanze zustande.
Weil nur etwa die Hälfte der vielen Fotos gezeigt und besprochen werden konnte, wünschten die Teilnehmer einhellig eine Fortsetzung des Themas. Dies ist am Küernaomeddag des 22. November 2009 wiederum im Kaminzimmer auf Lammers Hof erfolgt.
Wiese mit Klatschmohn und Margeriten
Eine umfangreiche Liste der plattdeutschen Pflanzennamen mit Bildern und den hochdeutschen, englischen und botanischen Bezeichnungen ist unter www.plattdeutsch.net unter "Pfanzen" zu finden. Diese Liste wird bei Bedarf ergänzt. Anregungen sind willkommen!
Bericht und Bilder von
Klaus-Werner Kahl