Entstehungsgeschichte
Das Passionsbrauchtum
hat in Riesenbeck eine lange Tradition. Wahrscheinlich gab es bereits zu
Beginn des 16. Jahrhunderts eine Prozession mit sieben Passionsbildern,
den sogenannten „sieben Fußfällen“. Vermutet wird, dass
der Weg von der St. Kalixtus-Kirche über den Riesenbecker Berg zum
Kloster Gravenhost verlief. In der Amtszeit von Pfarrer Bönneker (1725
bis 1761) wurden die heute noch vorhandenen fünf Stationsbilder aufgestellt
und die Kreuzestracht eingeführt. Die Stationskapellen sind schlicht
gestaltet und nach drei Seiten offen. Das Dach ruht auf jeweils zwei runden
Säulen vorne bzw. zwei Halbsäulen hinten und einem Mauerwerk.
Eine Einordnung und Datierung der Kapellenhäuser waren bisher nicht
möglich.
Die Figuren
bzw. Figurengruppen stehen auf altarähnlichen steinernen Podesten
bzw. Sockeln, auf denen die fünf Geheimnisse des Schmerzhaften Rosenkranzes
zu lesen sind. Im Volksmund wird der Stationsweg als „Kreuzweg“ bezeichnet,
da die traditionelle Karfreitagsprozession ihren Weg entlang des Stationsweges
nimmt. Der Riesenbecker Stationsweg dürfte wohl zusammen mit dem im
Kriege zerstörten und danach wieder aufgerichteten Stationsweg in
Dülmen von seiner Art und Größe einmalig in Westfalen sein.
Die erste
Station: Jesus am Ölberg
Ursprünglich
stand die erste Station bis zum Abbruch der gotischen Dorfkirche im Jahre
1807 an deren Chor. Das Stationsbauwerk wurde etwas abgerückt von
der St. Kalixtus-Kirche wieder aufgebaut. Bemerkenswert ist die lebensgroße
barocke Holzfigur des betenden, blutschwitzenden Christus am Ölberg.
Sie stammt aus der Zeit um 1730 und ist eine sehr genaue Kopie der Figur
Christi des Plettenberg-Epitaphs von 1720 im Dom zu Münster, einem
Hauptwerk des Bildhauers Joh. Wilhelm Gröninger († 1724). Die Inschrift
im Sockel lautet: „Der Du für uns Blut geschwitzet hast. Erbarme Dich
unser!“
Vor der Kapelle
war bis 1957 ein bretternes, hohles, drei Meter hohes und über zwei
Meter breites Kreuz ausgelegt. Es konnte innen mit Sand oder Steinen beschwert
werden und wurde von einer vermummten Person noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts
zu Berge getragen. Die Person war nur dem Pfarrer bekannt. Der Bischof
ließ die Kreuzestracht etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts abschaffen.
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Die zweite
Station: Jesus an der Geißelsäule
Im Bereich des
Kolping-Kindergartens an der Teutostraße steht die zweite Station
mit einer lebensgroßen Doppelfigur aus Baumberger Sandstein. Das
Bild im zarten Stil der münsterischen Nazarenerbildhauer wurde 1875
unter Pfarrer Schwartze als Ersatz für ein erheblich kleineres, stark
verwittertes Bild aufgestellt, das 1873 entfernt wurde. Es zeigt
die Geißelung des an eine Säule angebundenen Jesus.
Die dunklen
Stellen, vor allem auf den Gewändern, entstanden leider bei der Restaurierung
in der Zeit zwischen 1977 und 1979 durch eine Verfestigung der sich ablösenden
Steinschicht.
Die Inschrift
der Altarplatte lautet: „Der Du für uns gegeißelt bist. Erbarme
Dich unser!“
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Die dritte Station: Jesus
wird mit Dornen gekrönt
Im weiteren Verlauf
der Teutostraße neben dem Haus Nr. 34 beherbergt eine weitere
Kapelle das Bild des Jesus, dem eine Dornenkrone auf das Haupt gedrückt
wird. Auch diese lebens große Zweifigurengruppe im Nazarenerstil
entspricht in Maß und Gestalt völlig dem Bild der zweiten Station.
Es besteht aus Baumberger Sandstein und wurde ebenso im Jahr 1875 als Ersatz
für ein verwittertes Bild aufgestellt. Auch dieses Bild weist wie
das der zweiten Station einige dunkle Flecken durch die spätere Restaurierung
auf. Die aufgemalte Sockelinschrift lautet: „Der Du für uns mit Dornen
gekrönt bist. Erbarme Dich unser!“
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Die vierte
Station: Der Kreuzträger
Auf etwa dem
halben Wege zwischen der Straße „Am Teutohang“ und der „Schönen
Aussicht“ befindet sich die vierte Station auf einem Felsen des Riesenbecker
Berges. Zum Ausgleich des Geländes sind dem Gebäude vier Treppenstufen
vorgelagert. In der Kapelle mit verputzter Rückwand steht die lebensgroße
Holzfigur des unter der Last des Kreuzes dahineilenden Christus. Die barocke
Figur des Christi stammt ebenso wie die Holzfigur der ersten Station aus
der Zeit um 1730 und gehört noch zu den drei erhaltenen ersten Bildern
des Riesenbecker Stationsweges, ist aber etwas sorgfältiger proportioniert
und in der Gesichtsbildung etwas weniger karikierend. Merkwürdig ist
der vom Boden abgehobene linke Fuß und die ziemlich aufrechte Haltung,
die kaum das Gefühl der schweren Last aufkommen lässt. Es verleiht
der Szene etwas ungewohnt Hastiges. Dem Stil nach ist sie der Nachfolge
Gröningers zuzuordnen. Auf den altarähnlichen Sockel, auf dem
die Figur steht, ist das vierte Rosenkranzgesetz aufgemalt: „Der Du für
uns das schwere Kreuz getragen hast. Erbarme Dich unser!“
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Die fünfte
Station: Jesus am Kreuz
Auf der Höhe
des Riesenbecker Berges, der sich dem Betrachter wie der Felsen von Golgotha
darstellt, an der Gabelung des „Hermannsweges“ und des Fußweges von
Riesenbeck nach Gravenhorst bildet die fünfte Station den Schlusspunkt
des Stationsweges. Es zeigt die lebensgroße Holzfigur des gekreuzigten
Christus. Ebenso wie das massive, schwere Holzkreuz stammt auch die Christusfigur
aus der Zeit um 1730 und wird als Nachbildung eines Gröninger-Werkes
angesehen. Als Vorbild könnte das in etlichen Kupferstichen
verbreitete Gemälde von Rubens aus dem Jahr 1615 gedient haben. Das
Bild wurde in der Zeit zwischen 1977 bis 1979 restauriert. Die in die Raute
des Altarvorsatzes eingemeißelte Inschrift lautet: „Der Du für
uns gekreuzigt bist. Erbarme Dich unser!“
Die Station
ist von Buchen eingerahmt. Bereits 1925 hat der Heimatverein Riesenbeck
den Platz um diese Station großzügig gestaltet.
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In den Jahren
1977 bis 1979 konnten die fünf Stationsbilder auf Betreiben des Heimatvereins
mit Mitteln der Kirchengemeinde, der Diözese sowie des Landesdenkmalamtes
von Fachleuten gründlich renoviert werden.
Wegen seiner
Bedeutung für Westfalen und besonders auch für Riesenbeck stellte
die Stadt Hörstel die Stationen 1, 2, 3 und 5 des Stationsweges am
8. August 1986, die Station 4 am 16. März 1987 unter Denkmalschutz.
Text:
Dr. Klaus-Werner Kahl
Quellen: Archiv des Heimatvereins
Riesenbeck,
Dr. Georg Wagner in „Riesenbeck – Aus Vergangenheit und Gegenwart
eines Münsterländischen Dorfes“,
Rudolf Breuing: Barocke Wegebilder und Kapellen im Kreis Steinfurt
Fotos:
Erich Brune, Archiv des Heimatvereins,
Weitere Informationen:
Heimatverein
Riesenbeck e.V., Im Wiesengrund 33
48477
Hörstel-Riesenbeck, Tel. (05454) 180 429
www.heimatverein.riesenbeck.de
heimatverein@riesenbeck.de
Stadtverwaltung
Hörstel, Kalixtusstr. 6
48477
Hörstel-Riesenbeck , Telefon: (05454) 911-0
Stand: April 2008