Kriegsgedächtnisstätte auf dem Friedhof

Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkriegs 1914 - 1918

 

Über dem Grab von Pfarrer Eduard Wegener befindet sich eine kleine, offene Kapelle. Pfarrer Wegener war von 1884 bis 1913 Pfarrer in Riesenbeck. Seine letzten Jahre bis zum Tode verbrachte er im damaligen Elisabeth-Hospital. Ihm zur Ehre ist unter anderem auch sie „Wegener Straße“ in einem Riesenbecker Wohngebiet benannt.

Wie aus den Archivunterlagen des Heimatvereins Riesenbeck hervorgeht, wurde die Kapelle im Jahr 1917, also noch vor dem Ende des Krieges, als Gedenkstätte für die Gefallenen Riesenbecker des 1. Weltkrieges ausgestattet. Die Namen der Toten sind auf Marmortafeln festgehalten. Gleichzeitig bildet die Kapelle Zentralpunkt des im Jahre 1912 angelegten oberen Friedhofs.

 

     

Das Gebäude besteht aus einem Klinkermauerwerk an der Rückseite und Seitenwänden aus Sandstein mit je einem bleiverglastem Fenstern. Die Frontseite zieren beidseitig Säulen, auf die ein Giebel mit einem Ornament und der Inschrift JHS ruht. Das Dach liegt auf umlaufenden Sandsteinblöcken, die innen die Schrift „Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben läßt für seine Freunde. Joh. 15.“ An der Rückseite der Kapelle bildet eine Pieta vor einem Mosaik-Fenster mit einem Kreuz den Mittelpunkt des Raumes. Im oberen Teil des Kreuzes steht „Evigilabunt“ (Sie werden aufwachen)  Das Schriftband unter der Pieta lautet „“1914 – Den Gefallenen zur Ehre – 1918“. Die Inschrift im Sockel lautet „O, Ihr alle, die vorübergeht, habt acht u. schauet ob ein Schmerz gleich sei meinem Schmerze!“

 

An den freien Flächen der Seitenwände sowie der Rückwand sind Marmortafeln mit allen Namen der gefal­lenen Riesenbecker Soldaten eingelassen.

 

 

        

 

Weitere Informationen zu den Kriegsopfern des 1. sowie des 2. Weltkrieges sind auf der Internetseite des Heimatvereins Riesenbeck zu finden.

 

Die Grabplatte von Pfarrer Eduard Wegener ist unter anderem mit den Daten seines Geburtstages, seiner Priesterweihe und seines Todestages versehen.

 

 

Die Seitenfenster der Kriegergedenkstätte bestehen heute aus einer schlichten Bleiverglasung mit verschiedenfarbigen Rauten. Diese Fenster wurden offensichtlich später eingebaut. Zu der ursprünglichen Verglasung gibt es eine zunächst nicht einzuordnende Information, die durch einen Bericht in der Ibbenbürener Volkszeitung an die Öffentlichkeit gelangte. Dort heißt es:

 

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Mysteriöses Bilderrätsel

Zeichnungen für unbekannte Kriegergedächtniskapelle aufgetaucht

 

 

Von Antje Raecke (Bericht in der IVZ vom 31.12.2009)

 

Riesenbeck. Es ist ein Rät­sel, fast schon ein Mysterium. Und es dürfte die Riesenbecker noch ein wenig beschäf­tigen. Pastor Stefan Notz je­denfalls hat schon eifrig Ak­ten und Bücher gewälzt, erste Nachforschungen angestellt und bleibt vor allem eines: ratlos. Vor ihm auf dem Tisch liegen die zwei Gründe für seine Ratlosigkeit. Zwei große Zeichnungen zeigen wunder­schön und detailliert den Erz­engel Michael und den Heili­gen Georg. Angefertigt hat sie Friedrich Stummel, ein be­kannter Kirchenmaler und gebbürtiger Münsteraner. „Die Zeichnungen sind für zwei Fenster einer Kriegergedächt­niskapelle in Riesenbeck", so viel hat Pastor Notz schon in Erfahrung bringen können.

Dass die Bilder überhaupt vor ihm liegen, hat er der Glasmalerwerkstatt von Peter Derix in Kevelaer zu verdan­ken. Er förderte beim Aufräu­men im Lager die Entwürfe zutage. In der Verwaltung fand sich dazu die passende Rechnung. „Aus der geht ein­deutig hervor, dass die Ge­meinde die Entwürfe für zwei Fenster mit Bleieinlassungen in Auftrag gegeben hat", sagt Notz. Und zwar 1917 und für genau 239,20 Reichsmark. Die seien auch bezahlt worden - die Frage sei nur, von wem.

 

                                      

Sowohl die Zeichnung des Erzengels Michael  ...

                                                       

...als auch die Darstellung des Heiligen Georg stammen von Friedrich Stummel. 

                                                                                                     

 (Fotos: Antje Raecke)

 

  „Die Bilder sind von höchs­ter zeichnerischer Qualität und wirklich schön", äußert sich Notz voller Bewunde­rung für das Können des Künstlers Stummel. Dennoch treiben ihn die Fragen um, wer der Auftraggeber war und vor allem, wer etwas von einer Kriegergedächtniskapelle in Riesenbeck wusste oder gar heute noch weiß.

Bei der Vorbereitung des Ju­biläums zu 200 Jahren St. Kalixtus habe er sich tief in die Kirchengeschichte eingelesen, aber keinen Hinweis für den Bau einer Kriegergedächtniskapelle gefunden. Auch Nachfragen bei älteren Bür­gern oder dem Heimatverein hätten nichts ergeben. Der Glasmaler Derix wandte sich in der Annahme an Notz, dass die Kapelle gebaut worden sei und er eventuell die Fenster anschauen könne. Diese Er­wartung musste enttäuscht werden.

„Es gibt viele Ungereimthei­ten", hat der Riesenbecker Seelsorger inzwischen her­ausgefunden. 1917 eine Kriegergedächtniskapelle zu pla­nen sei ungewöhnlich, schließlich ging der Erste Weltkrieg bis 1918. Vor dem Ende des Krieges etwas für die Gefallenen zu bauen, sei schon merkwürdig. Heute gibt es auf dem Friedhof eine Ge­denkstelle: „Aber das ist eher ein Bildstock und keine Kapelle." Inzwischen gebe es am Kanal eine Kriegergedächtniskapelle, aber die sei erst nach dem Ende des Zweiten Welt­krieges errichtet worden, also» auch lange nach 1917. Fenster gibt es darin keine. „Mir fällt im gesamten Stadtgebiet kein historischer Ort ein, der für eine solche Kapelle infrage käme."

Auch in der St.-Kalixtus-Kirche gebe es keinen Platz für eine solche Kapelle. Hinzu kommt, dass die Kirche nach dem Heiligen Kalixtus benannt wurde, die Bilder aber den Engel Michael und den Drachentöter Georg zeigen. „Es sind zwei Schutzheilige, aber sie haben keine Verbindung zu unserer Gemeinde", erklärt Stefan Notz. St. Georg ist vielmehr der Name der benachbarten Gemeinde in Hopsten, wo ähnliche Bilder in Bildstöcken und Fenstern durchaus zu finden sind.

„Riesenbeck ist einmalig in Deutschland. Eine Verwechs­lung ist deshalb ausgeschlos­sen", ist die abschließende Feststellung von Stefan Notz. Er wäre dankbar für mögli­che Hinweise auf die 1917 scheinbar geplante Kriegerge­dächtniskapelle unter Tel. 05454/8216.

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Zum Thema

Leben und Werk von Friedrich Stummel

 

Friedrich Stummel wird am 20. März 1850 in Münster ge­boren. Mit 16 Jahren bricht er seine Ausbildung am Gym­nasium ab und besucht die Kunstakademie in Düssel­dorf. Dort wird sein Talent erkannt, es folgen erste Aus­stellungen, Auszeichnungen und ein Stipendium. Seine Lebensaufgabe schließlich wird das Ausmalen der Ro­senkranz-Basilika in Keve­laer. Bis zu seinem Tod beschäftigt ihn dieser Auftrag.

Während seiner Arbeit in Kevelaer bekommt er Aufträge aus der ganzen Welt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts weitet er sein Schaffen auf Holzschnitzerei, Stoffentwür­fe und vor allem auf Glasma­lerei aus. Zu diesem Zeit­punkt beginnt die enge Zu­sammenarbeit mit der Firma Derix. Sie realisiert die Ent­würfe Stummels.

Mit dem Ersten Weltkrieg en­det die Begeisterung für Stummels Kunst. Als der Künstler 1919 stirbt, haben seine Mischung aus nazarenisch-romantischer Tradition und neuen realistischen Ten­denzen längst überholt. In der Mitte des 20. Jahrhun­derts erleben Stummels Wer­ke eine Renaissance. Viele von ihnen stehen heute unter Denkmalschutz. Die Arbeit an der Rosenkranz-Basilika vollendeten seine Schüler Theodor Nüttgens und Karl Wenzel zwischen 1921 und 1930.

Quelle: Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau

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Des Rätsels Lösung

 

Bereits am Tag der Veröffentlichung konnte Jörg Echelmeyer, Vorsitzender des Heimatvereins Riesenbeck, den Zusammenhang herstellen und gab entsprechendes Archivmaterial an Pfarrer Stefan Notz weiter. Die von Pfarrer Notz zitierte Gedenkstelle auf dem Friedhof ist entgegen seiner Vermutung – wie oben erwähnt – ungewöhnlicher Weise tatsächlich bereits vor dem Ende des 1. Weltkrieges erbaut worden. Ein Archivbild der Kapelle belegt, dass die Jahreszahl 1918 zunächst noch nicht eingraviert war. Darüber hinaus entspricht die Form der Bilder von St. Georg und St. Michael genau den Konturen der heute vorhandenen Verglasung.

 

 

Vergleich des Seitenfensters mit dem Bild von St. Michael (Foto rechts: Antje Raecke)

 

Vermutlich sind die Bilder bei dem grauenhaften Bombenangriff auf Riesenbeck am 21. Februar 1945 ebenso wie die Fenster der nahegelegenen Kirche St. Kalixtus auch zerstört worden. Hier wird noch nach Zeitzeugen gesucht.

Die Motive für die beiden Bilder, St. Michael und St. Georg, stehen zwar nicht im Zusammenhang mit der Gemeinde, wohl aber in direktem Zusammenhang mit dem Kriegsgeschehen und sind wohl überlegt gewählt worden.

St. Michael gilt den Christen vor allem als Bezwinger des Satans und als Seelenwärter am Tag des Jüngsten Gerichts. Er ist seit der siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches und später Deutschlands. St. Georg zählt zu den vierzehn Nothelfern ist der Schutzpatron verschiedener Länder, (Adels-) Familien, Städte und Ritterorden.                   Quelle: Wikipedia

 

Fraglich bleibt, wer die vorliegende Rechnung für die Glasbilder an die Glasmalerwerkstatt von Peter Derix bezahlt hat. Möglicher Weise erfolgte dies durch eine Person, der die Vollendung der Kapelle sehr am Herzen lag.

 

Nicht gekennzeichneter Text und  Bilder: Klaus-Werner Kahl