Die Kleimühle ist eine ehemalige Windmühle, ein sogenannter Turmholländer von 1867. Sie ist zu Wohnzwecken insgesamt umgebaut und erhielt eine erneuerter Kappe. Sie besitzt keine Flügel mehr und verfügt über eine auf Korbbögen gesetzte steinerne Umgangsgalerie.
Die
Kleimühle im Januar 2005
Am 17.08.1294 (Urk. Nr. 72 Kloster Gravenhorst) verkauft
Dietrich von Horne die Windmühle zu Riesenbeck ‚Winnenmolen in Risenbeke’
und die Häuser ‚Vorenbergethe’ und ‚Blomendale’ an das Kloster Gravenhorst.
Die Ritter von Horne gehörten zu den bedeutendsten Ministerialen der
Tecklenburger Grafen und saßen in Bevergern - unmittelbar vor der
Burg - auf dem ‚Hornssen Gut’. Ob diese Mühle mit der Kleimühle
identisch ist, kann nicht abschließend gesagt werden, dürfte
jedoch wahrscheinlich sein. In einer weiteren Urkunde des Klosters (Nr.
144) vom 30.11.1364 tritt ‚Albert de Wyndemolner, borghere (Bürger)
ton Bevergherne’, als Zeuge auf. Die Kleimühle liegt zwar unmittelbar
östlich der Bevergerner Stadtflur auf Riesenbecker Gebiet; der Windmüller
rechnete sich jedoch meistens zu Bevergern. Im Bürgerbuch Bevergern
von 1427 wird im Jahre 1560 Bernd Vinckell (Windemoller) als Bürger
aufgenommen.
Auf dem Gemälde ‚Handstreich auf Bevergern’ (Original
im Schloss Stovern bei Salzbergen) von 1652 ist die Mühle als Bockwindmühle
dargestellt.
Es gab an allen Orten, die für die bischöfliche
Verwaltung von Bedeutung waren (in denen ein bischöflicher Amtsrentmeister
ansässig war), oder die im Mittelalter zur strategischen Sicherung
der Landesgrenzen mit einer bischöflichen Burg ausgestattet waren,
mindestens eine Wasser- oder Windmühle in landesherrlichem Besitz.
Am 6. April 1579 wird die fürstliche Bockwindmühle
als „die Newe Windt Müll“ bezeichnet. Im Jahre 1617 war sie von „M.[eister]
Dietrichen von Horstmar“ gründlich überholt worden. Dabei wurde
auch der Ständer oder Hausbaum ausgewechselt. Er hatte vom Bau der
Mühle kurz vor 1579 bis zu seiner Erneuerung im Jahre 1617 nicht einmal
vierzig Jahre überstanden. Nach der Renovierung versuchten der Droste
und der Rentmeister die Pacht von 32 auf 64 Reichsthaler zu erhöhen.
Hierzu scheint es aber nicht gekommen zu sein, da die Pacht 1666 nur 38
Rt. betrug.
Welche Dimensionen ein Hausbaum aufweisen konnte, zeigt
eine Holzliste des Jahres 1630, die anlässlich einer Reparatur der
Kleimühle gefertigt wurde. Der zur Reparatur vorgesehene Hausbaum
sollte 28 Fuß (8,15 m) lang und 3 ½ Fuß (ca. 1 m) dick
werden.
Am 9. März 1639 erging an die Hofkammer ein Bericht
über die völlige Baufälligkeit der Mühle, die „nicht
mehr geprauchet kan werden“. Hölzerne Stützen verhinderten nun,
dass sie nach hinten umfiel. Die Reparatur nahm mehrere Monate in Anspruch
und kam schließlich in Ausführung und Umfang einer vollständigen
Sanierung gleich.
1666 war die Windmühle „durch den Donnerwetter niedergeschlagen“.
Die Stadt übernahm die Mühle und baute sie für vier pachtfreie
Jahre wieder auf. Dann erst kamen jährlich wieder 38 Rt. herein.
Nachdem die landesherrliche Bockwindmühle zu Bevergern
im Jahre 1733 wieder einmal so baufällig geworden war, dass nur ein
Neubau den weiteren Betrieb sicherstellen konnte, wies Bischof Clemens
August die Hofkammer an, sowohl den Neubau einer hölzernen Bockwindmühle
mit einem Mahlgang, als auch den einer steinernen Turmwindmühle mit
zwei Mahlgängen kalkulieren zu lassen. Am 7. Juni 1734 erstattete
die Hofkammer ihren Bericht, in dem die voraussichtlich entstehenden Baukosten
in zwei nebeneinander stehenden Spalten aufgelistet wurden. Für die
Turmwindmühle setzte man alle Kosten für Bauteile mit gleicher
Funktion wie bei einer Bockwindmühle in derselben Höhe an, so
dass sich evtl. entstehende Mehrkosten besonders deutlich zeigen mussten.
Für die Turmwindmühle wurden demnach zusätzliche Mauersteine
(177-14-0 Reichsthaler), Kalk (25 Rt.), Maurerlohn (345 Rt.), Blei zum
Vergießen der Anker (25 Rt.), sowie nicht zuletzt zwei zusätzliche
rheinische Mühlsteine (88 Rt.) veranschlagt. Bei der Addition stellte
sich heraus, dass die Baukosten einer Turmwindmühle (1.438-14-0 Rt.)
nahezu das dreifache einer Bockwindmühle (528 Rt.) betragen würden,
worauf der Bischof den Bau einer steinernen Turmwindmühle mit dem
Argument anordnete, damit werde auf lange Sicht vielen Bauschäden
vorgebeugt. Im übrigen könne bei der nächsten Verpachtung
eine erheblich höhere Pacht gefordert werden, weil die nun technisch
mögliche Vermahlungsleistung erheblich größer sei als bisher.
Ob es jedoch zum Bau der Turmwindmühle überhaupt kam, muss stark
bezweifelt werden. Denn auf einer Lithographie ‚Bevergern von Süden’
von Adolph Esselbrügge (1813-1856) - um etwa 1845 - ist die
Kleimühle eindeutig als Bockwindmühle dargestellt. Esselbrügge
malte zwar im biedermeierlich-idyllischen Stil perspektivisch und kompositorisch
etwas naiv, ansonsten aber naturnah, detailreich und gewissenhaft genau.
Zudem wird erst 1866 vom Neubau einer ‚massiven Mühle’ berichtet.
Die landesherrliche Windmühle auf dem Klei bei Bevergern
diente beim Vermessen der Stadt auch als wichtiger Fixpunkt. Hier befand
sich einer der vier Grenzsteine, die bereits im Stadtrechtsprivileg von
1366 genannt werden. 1752 war dieser Stein verloren gegangen und wurde
durch den fürstlichen Oberjäger Elverfeld neu eingemessen. Ebenso
verhielt es sich bei der Erstellung einer neuen Karte ‚fürstliches
Gehege um Bevergern’ von 1780.
In einer öffentlichen meistbietenden Licitation
(Versteigerung) erhielt im Jahre 1820 der Freiherr Mathias Alexander von
Heereman zu Surenburg für 1.500 Thaler den Zuschlag zum Erwerb der
Domanialmühle auf dem Kley zu Bevergern. „Vorstehende Eintausend-Fünfhundert
Thaler sind in dem Haupt-Etats Beleg der Staats-Schulden-Tilgungs-Casse
für das Jahr 1820 auf Grund der Domainen-Veräußerungs-Gelder-Jahres-Übersicht
der Regierung zu Münster pro 1820 richtig vereinnahmt“, stellte die
‚Königliche Staats-Schulden-Tilgungs-Casse’ zu Berlin am 10.08.1824
fest.
Spätestens Ende 1866 war die vorgenannte Mühle
abgängig. Da die Reparatur der alten Mühle unmöglich war,
forderte der Freiherrlich Heeremansche Rentmeister ab November 1866 verschiedene
Mühlenbauer zur Abgabe von Angeboten zur Errichtung einer massiven
Mühle auf - mit der Auflage, daß eine Durchfahrt eingebaut wird.
Am 12.12.1866 ließ der Freiherr von Heereman mitteilen,
daß er das daselbst betriebene Müllergewerbe wegen Umbaus der
Mühle vom 01.01.1867 vorläufig aufgeben werde. Das Conzessionsgesuch
für den Bau und Betrieb der für den Freiherrn von Heereman hierselbst
auf der Parzelle Flur 14 Nr. 358 b der Cathastral-Gemeinde (in einem Grundbuch
zusammengefasste Verwaltungseinheit, Steuergemeinde) Riesenbeck aufzubauenden
Windmühle wurde am 07.01.1867 gestellt. Der Antrag wies ferner darauf
hin, dass auf dem Grundstück, auf dem die neue Mühle gebaut werden
sollte, bereits seit dem Jahre 1823 eine alte Windmühle gestanden
hat, „mit deren Abbruch wir im Augenblick beschäftigt sind“, und dass
diese Parzelle eine Größe von 130 Quadratruthen und 30 Quadratfuß
(1.850 qm) hatte, sowie am ‚Communalwege’ von Bevergern nach Riesenbeck
liege. Es sollte jedoch abweichend vom Standort der alten Mühle die
neue so weit vom Wege zurückversetzt werden, daß mindestens
noch ein Raum von 8 Ruthen (30 m) zwischen dem Wege und der neuen Mühle
liegen bleibe.
Mit der Planung wurde der Mühlenbaumeister Heinrich
Remme aus Brochterbeck (später in Bevergern wohnhaft) beauftragt,
der unter Beteiligung des Zimmerers Joseph Hagemann aus Hörstel auch
die Bauausführung übernahm. Der Werkvertrag ist vom 19.02.1867
datiert. Das Freiherrlich Heereman von Zuydtwycksche Archiv enthält
die vollständigen Bauunterlagen - Angebot, Baubeschreibung, Lageplan,
Bauzeichnungen und Bauantrag. Aufgrund dieser bei Windmühlenanlagen
sonst seltenen Fülle an Informationen lässt sich die Mühlenmechanik
auch von den Maßen her rekonstruieren - zum Beispiel das Kornrad
mit 64 Kämmen bei 4 ¾ Zoll Teilung, - der Bunkler (sitzt auf
der senkrecht stehenden Königswelle) mit 35 Kämmen bei gleicher
Teilung, - das Stirnrad mit 101 Kämmen bei 3 ¼ Zoll Teilung,
die Antriebsräder der zwei Mahlgänge mit je 28 Stäben und
einer Teilung von ebenfalls 3 ¼ Zoll.
Auch der Baukörper der 1868 in Betrieb gegangenen
Turmholländer-Windmühle wurde von Remme in der Baubeschreibung
vermaßt: - Fundament 31 Fuß (9,75 m) im Durchmesser, vier Fuß
(1,25 m) dick, drei Fuß (0,95 m) im Erdreich, - der aus Bruchsteinen
gesetzte Turm 40 Fuß (12,55 m) hoch, unten im Durchmesser 30 Fuß
(9,40 m) bei einer Mauerstärke von 3 ½ Fuß (1,10 m),
das massive Galeriegeschoss auf 14 Pfeilern unter Bruchsteinbögen,
jeder Pfeiler 10 Fuß (3,15 m) hoch, zwei Fuß (0,65 m) im Erdreich
und 2 ½ Fuß (0,80 m) stark.
Die Kleimühle mit FlügelnDie heutige Kappe ist nicht mehr original, der Mühlenstumpf
und die Galerie sind inzwischen zu Wohnzwecken umgebaut und dementsprechend
innen und außen durchgebaut.