Landmaschinenmuseum
Riesenbeck
- Ein kleiner Wegweiser -
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Bilderbuch des Landmaschinenmuseums
Bilder
vom Aktionstag am 13. Juli 2003
Aktionstag
am 05. September 2004
Entstehungsgeschichte
Jahrelang sammelte der Heimatverein landwirtschaftliche
Maschinen und Geräte, um sie der Nachwelt zu erhalten. Passende Räumlichkeiten
ließen sich aber lange Zeit nicht finden. Im Zuge der Flurbereinigung
Riesenbeck wurde der Hof Eggert ausgesiedelt und das Anwesen der Stadt
Hörstel verkauft. Unter anderem befand sich auch eine aus Bruchsteinen
gemauerte Scheune auf dem Gelände, die abgebrochen und später
im nördlichen Teil der Begegnungsstätte Riesenbeck, auch "Hof
Lammers" genannt, von Heimatverein wieder aufgebaut wurde. Nach dem Baubeginn
im Frühjahr 1994 und dem Richtfest im Juli 1996 erfolgte die feierliche
Einweihung der Ausstellungsscheune am 13. Juli 1997. Die Ausstellungsscheune
als Hauptgebäude beherbergt seitdem auf ca. 300m² Grundfläche
über einhundert landwirtschaftliche Maschinen und Geräte. In
dem 2002 errichteten Kappschuppen sind die Großgeräte untergebracht.
Eine beträchtliche Anzahl weiterer Kleingeräte befindet sich
in der kleinen Scheune sowie in der Begegnungsstätte selbst. Durch
ein Backhaus mit einem funktionsfähigen Steinofen erfährt das
Gelände eine harmonische Abrundung.
Viele der vornehmlich aus dem ersten Teil des 20.
Jahrhunderts stammenden Ausstellungsstücke sind Leihgaben, der überwiegende
Anteil befindet sich jedoch im Besitz des Riesenbecker Heimatvereins.
Die Ausstellung
Entsprechend der im Jahreszyklus durchzuführenden
landwirtschaftlichen Tätigkeiten gliedert sich auch die Gruppierung
der Ausstellungsstücke. Die Geräte für die Bodenbearbeitung,
das Säen und Pflanzen sowie das Düngen und Ernten zeigen die
Entwicklung aus einfachen Anfängen bis hin zu modernerer Technik.
Neben diesen bei der Feld- und Weidenbewirtschaftung eingesetzten Maschinen
bilden die für die Weiterverarbeitung des Erntegutes benutzten Geräte
einen weiteren Schwerpunkt: Dresch-, Sortier- und Zerkleinerungsmaschinen.
Daneben ist dem Thema Transportieren breiterer Raum gegeben. Auch kommt
der Bereich der Stall- und häuslichen Arbeitsgeräte nicht zu
kurz. In der kleinen Ausstellungsscheune ist schließlich eine funktionsfähige
Holzschuhmaschine untergebracht.
An allen Ausstellungsstücken befinden sich
kurze Erläuterungen ihrer Verwendung und Hinweise auf den Hersteller,
das Baujahr und sonstige Beschreibungen.
Bodenbearbeitung
Pflüge dienen dazu, den Boden zu lockern, zu wenden
und zu mischen. Die Form des Schar richtet sich nach Bodenbeschaffenheit,
Vorschäler verbessern das Unterarbeiten von Oberflächenbewuchs.
Anhand vieler Exponate läßt sich die
technische Entwicklung des Pfluges vom einfachen hölzernen Kratzpflug
über den einscharigen Holzgestellpflug bis hin zum mehrscharigen stählernen
Kipp- und Wendepflug nachvollziehen.
Zur Lockerung und Zerkleinerung der aufgebrochenen
Erdkrume werden Eggen eingesetzt. Die Ausstellung zeigt verschiedene Ausführungen
aus Holz, wie sie anfangs zum Einsatz kamen, und modernere aus Stahl.
Neben Eggen bedient man sich auch schwerer Walzen,
um den Boden zu glätten und zu krümeln. Die Ausstellung zeigt
zwei unterschiedliche Holzwalzen, denen man ihr hohes Alter ansehen kann.
Säen, Pflanzen und Bodenpflege
Die Entwicklung der hierfür verwendeten Geräte
ist anschaulich dokumentiert. Bediente man sich früher eines Säsackes
oder einer Saatschale (Saotschiärpel), um die Samen von Hand auszustreuen,
führte die Verwendung von zunächst kleinen Sämaschinen wie
der Drill- oder Dibbeltmaschinen zu einem wesentlich geringeren Saatgutverbrauch.
Die Leistungsfähigkeit ließ sich mit breiten, anfangs von Pferden,
später von Traktoren gezogenen Sämaschinen wesentlich steigern.
Als Hilfsmittel für die Pflanzung dienten sogenannte Pflanzer, mit
denen sich die Pflanzlöcher beispielsweise für Bohnen in den
Boden erstellen lassen.
Neben den Schneidgeräten zeigt die Ausstellung
auch Kartoffelernter unterschiedlicher Bauart.
Die Beseitigung von Unkraut kann mit einfachen Hacken
ebenso erfolgen wie mit technisch anspruchsvolleren Hackpflügen oder
Kultivatoren. Beispiele alter Geräte sind ebenso zu sehen wie ein
Vielfachgerät, das durch einfache Umbauten nach einem sogenannten
Baukastensystem für verschiedene Arbeiten zur Bodenpflege herangezogen
werden kann.
Düngen und Ernten
Zur Verbesserung des Ernteertrages erfolgt die Düngung
des Bodens mit Gülle, Mist oder Kunstdünger. Die Ausstellung
zeigt verschiedene Güllefässer (Jauchefässer) sowie einen
Düngerstreuer und die benötigten Arbeitsgeräte wie Jaucheschöpfer,
Mistgabeln und –harken.
Die Entwicklung des Erntehilfsmittel für Korn
und Gras ist von der Sichel über die Sense bis hin zum Balkenmäher
und Selbstbinder an ausgewählten Schaustücken nachzuvollziehen.
Schleppharken und Heuwender verschiedener Bauart runden das Bild ab.
Weiterverarbeiten
Nach der Ernte von Korn, Kartoffeln, Rüben und
Runkeln erfolgt das Dreschen, Reinigen, Sortieren oder Mahlen bzw. Zerkleinern.
Die Entwicklung der Dreschgeräte ist vom Dreschflegel über hand-
bzw. motorbetriebene Spitzdrescher bis hin zum Breitdrescher dargestellt.
Die Trennung zwischen Getreidekörnern und Spreu
erfolgte anfangs mit Wannen, in der späteren Entwicklung mit Getreidereinigern,
bei denen Siebe und Windsichten zum Einsatz kamen. Zusätzlich war
damit auch noch eine Sortierung nach Korngröße möglich.
Für das Sortieren von geernteten Kartoffeln
kamen unterschiedliche Maschinen mit Rüttel- oder Trommelsieben zum
Einsatz, die das Verlesen der Kartoffeln von Hand ersetzten.
Für die Futterherstellung muß oftmals
eine Zerkleinerung von Stroh, Heu, Kartoffeln und Rüben erfolgen.
Die hierfür verwendeten Schneidladen, Häcksler, Quetschen und
Schneider sind ebenso ausgestellt wie Getreidemühlen zur Herstellung
von Schrot oder Mehl.
Dem Antrieb der Maschinen dienen neben Stand- und
Elektromotoren auch der im Frühjahr 2003 voll funktionsfähig
wiederhergestellte Pferdegöpel, der seinen
Platz neben der großen Ausstellungsscheune hat.
Transportieren
Bis etwa 1950 erfolgten Transporte der Landwirtschaft
vornehmlich mit Hilfe der Muskelkraft von Mensch, Pferd und Rindvieh. Angefangen
von Sack- und Schubkarren bis hin zu schweren Ackerwagen und einem Pferdeschlitten
gibt die Ausstellung einen Überblick über die Entwicklung der
früher verwendeten Hilfsmittel. Daneben sind Zuggeschirre für
Ochs und Pferd zu sehen. Seit Sommer 2002 ergänzen zwei Traktoren
die in dem neuen Kappschuppen ausgestellten Großgeräte.
Arbeiten in Stall und Haus
Eine der wenigen im Stall eingesetzten Maschinen ist
die Melkmaschine. Ausgestellt ist eine vollständig erhaltene, elektrisch
angetriebene Melkanlage mit Pulsator. Einen nicht unerheblichen Anteil
nahm früher die Arbeit im Haus ein. Dargestellt ist die Entwicklung
der Hilfsmittel für die Reinigung der Kleidung. Angefangen vom Waschbrett
über Wäschestampfer und Wringen bietet die Ausstellung einen
Überblick über die Entwicklung bis hin zur motorbetriebenen Waschmaschine.
Ein Einblick wird auch in die Butterherstellung gegeben. Zu sehen sind
Butterstampfer, Zentrifugen sowie weitere Kleingeräte.
Auch der Gewinnung von Honig widmet sich ein kleiner
Teil der Ausstellung mit einem Bienenkorb, einer mit Federkraft betriebenen
Imkerpfeife und einer Honigschleuder.
Holzschuhherstellung
In der kleinen Ausstellungsscheune sind verschiedene
handwerkliche Maschinen untergebracht. Der Schwerpunkt liegt auf der Herstellung
von Holzschuhen. Zu sehen ist ein einfacher Bock, auf dem die Holzschuhe
in Handarbeit hergestellt wurden, und die entsprechenden Bearbeitungswerkzeuge
einerseits sowie zwei Kopierfräsmaschinen für die Herstellung
der Außen- bzw. Innenkonturen von Holzschuhen. Zu besonderen Anlässen
finden Vorführungen der Maschinen statt.
Text: Dr. Klaus-Werner Kahl
Fotos: Erich Brune
Adresse des Landmaschinenmuseums: an der öffentlichen
Begegnungsstätte Im Vogelsang 75
(siehe
Stadtplan)
48477 Hörstel-Riesenbeck
Öffnungszeiten: von April bis Oktober
jeweils am ersten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung
Eintritt Erwachsene
1,- Euro, Kinder frei
Gruppen ab 10 Personen erhalten eine Ermäßigung von 25%.
Führungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten:
mindestens 10,-- Euro
Weitere Informationen:
Heimatverein Riesenbeck e.V., Am Teutohang 176
48477 Hörstel-Riesenbeck, Tel. (05454) 180 429
e-mail: heimatverein@marktplatz-muensterland.de
Homepage: www.riesenbeck.de/heimatverein
Stadtverwaltung Hörstel, Kalixtusstr. 6
48477 Hörstel-Riesenbeck, Telefon: (05454) 911-0
Stand: Oktober 2004