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begraben in Riesenbeck, einem Dorf der Diözese Münster* |
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| Sie wurde geboren in Westerkappeln, einem Dorfe der Grafschaft Tecklenburg, auf einem Bauernhofe, "Knüppenhaus" mit Namen, ungefähr eine Stunde von ihrer Pfarrkirche entfernt. Wie von dort ihr Leichnam zum Dorfe Riesenbeck überführt wurde, wird unten gesagt, werden. Von ihrem Kult und ihrer beständigen Verehrung zeugt nicht nur das ein wenig erhöhte Grabmal, das nach ihrem Tode in der Kirche zu Riesenbeck errichtet wurde und auch jetzt noch zu sehen ist, sondern auch die fortdauernde Ehrfurcht und Andacht der Anwohner, die bei ihrem Grabmale kniend beten und zahlreiche Kerzen anzünden. - Mag Spanien sich rühmen mit dem hl. Isidor, dem frommen Landmann hinter dem Pfluge: eine diesem so heiligen Manne ebenbürtige Heldin brachte Westfalen hervor in der seligen Reinheldis, deren Eltern Bauersleute in der Grafschaft Tecklenburg waren. Ihre, wenn auch (der Welt) unbekannte, so doch von Glück bestrahlte Wiege stand auf dem Bauernhofe Knüppenhaus in der Pfarrei Westerkappeln. Dort wuchs sie von zarter Kindheit an unter ländlichen Beschäftigungen auf; sie lernte christliche Fömmigkeit dergestalt mit der Arbeit zu verbinden, dass sie es für eine Sünde hielt, auch an Werktagen die Messe zu versäumen. Wenn sie daher zuweilen auf Geheiß ihrer Eltern den Acker pflügen musste und währenddessen der Glockenton das Zeichen zum Beginn des heiligen Messopfers gab, so ließ sie die Pferde stehen, befestigte indessen die Peitsche daran und eilte sogleich vom Acker zur Kirche, um der gewohnten Andacht obliegen zu können. Deshalb ruhte jedoch die vondem Mädchen unterbrochene Arbeit nicht. Von den heiligen Geheimnissen zurückgekehrt, fand sie so viel Furchen im Acker gezogen, als sie selbst nicht hätte pflügen können, wenn sie, ohne fortzugehen, ihrer Arbeit beständig obgelegen hätte. Gott belohnte nämlich die Verdienste seiner unschuldigen Dienerin in der Weise, dass, während sie in der Kirche betete, die Pferde doch mit dem Pfluge von selbst vorwärts gingen, wobei himmlische Geister inzwischen ihre Stelle vertraten und die aufgetragene Arbeit gütig förderten. Diese Frömmigkeit war den bösen Geistern der Hölle ein Dorn im Auge, und was noch schlimmer ist, auch der Mutter und dem Stiefvater des Mädchens. | |
| Diese konnten ihre so gottergebene Tochter nicht vor Augen sehen, sei es, weil sie sich einredeten, durch diesen Kirchenbesuch unterbleibe die Arbeit, sei es, weil es ein allen frevlhaften Meinschen gemeinschaftliches Laster ist, die Guten zu hassen. Zunächst legten sie darum der Jungfrau das Doppelte der gewohnten Arbeit auf; ja sogar | ![]() |
| auch an Festtagen
gaben sie ihr unter den schwersten Drohungen ein weit größeres
Bündel (Flachs) zu spinnen auf, nämlich 200 Fäden, damit
sie auf diese Weise endlich ihre Andachtsübungen aufgebe und von dem
häufigen Kirchenbesuch ablasse. Als aber auch dieses Vorgehen nichts
erreichte und selbst Schläge und harte Worte ihre Wirkung verfehlten,
ergriff schließlich die rasende Mutter, deren Wut durch den Hass
und die Anstachelungen des Stiefvaters heftig entbrannte, mit unmenschlicher
Hand die Tochter, erdrosselte sie und warf sie sodann in einen Brunnen,
damit das Verbrechen nicht ans Licht käme. Reinhildis jdedoch saß
bald darauf, noch immer lebend und atmend, auf dem Rande des Brunnens.
Mit dem Ordnen ihres Haares beschäftigt, erzählte sie mit rührenden
Worten, sie sei durch Engelshand aus dem Wasser zurückgeholt worden.
Da hätte wenigstens die Mutter zur Einsicht kommen müssen, wo
sie doch durch diese wunderbare Begebenheit vom Himmel selbst eine Warnung
erhielt. Was aber wagt nicht ein verwildertes Herz, wennes einmal in den
Abgrund des Lasters geraten ist? Sie ergriff abermals die Tochter, erwürgte
sie mit grausamer Hand, hob eine Grube aus und begrub sie unter die Füße
der Tiere.
Gott wollte nicht, dass ein so scheußlicher Kindesmord lange verborgen bleiben sollte. Vom Himmel her strömte ein wunderbares Licht herab und ruhte über dem Stalle. Tag und Nacht leuchtete die brennenede Luft von dem ungewöhnlichen Feuer in rötlicher Glut und verriet den Nachbarn das verübte Verbrechen. Man suchte nach dem vergrabenen Leichnam der vermissten Jungfrau, man entdeckte ihn, griff ihn und grub ihn aus. Zu derselben Zeit fiel der unselige Stiefvater der Gemordeten auf dem Heimwege von Osnabrück vom Pferde, brach das Genick und überlieferte seine schuldbeladene Seele den Flammen des ewigen Feuers. Was hernach mit der Mutter geschah, welche Strafen auch sie für das Verbrechen erlitten hat, ist nicht bekannt. Der Leib der seligen Reinhildis wurde zusammen mit dem Leichnahm ihres Stiefvaters auf denselben Wagen gelegt, um sie auf dem Friedhof zu Westerkappeln, beide zugleich in einem Grabe , zu beerdigen. Aber alles war vergebens und erfolglos. Denn auch dem Himmel missviel es, dass die Leiber derjenigen in einem Grabe vereinigt würden, deren ungleiche Seelen ganz und gar durch Himmel und Hölle getrennt waren. Einige behaupten, beide Leichen seien zwar auf den Freidhof gebracht worden, aber der Leichnam der Jungfrau sei dreimal begraben worden und habe dreimal wieder am anderen Morgen außerhalb des Grabes gestanden. Andere dagegen sagen, die Pferde wären unbeweglich stehengeblieben, als man beide Leichen auf den Wagen gesetzt habe, und man hätte sie durch keine Gewalt dazu bringen können, weiterzugehen, bevor man nicht die Gebeine der Jungfrau von der Seite ihres Stiefvaters entfernt habe. Darauf brachte man die heilige Last auf einen anderen Wagen. Nach dem schlichten Rat frommer Leute spannte man zwei junge Ochsen davor, die, ihrem eigenen Instinkte überlassen, sie dorthin fahren sollten, wohin immer es Gott gefalle. |
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| Als man nun unterwegs durch das Dorf Ibbenbüren kam, fingen alle Glocken von selbst an zu läuten. Endlich blieben die Ochsen stehen, der Leichnam des Mädchens wurde vom Wagen gehoben und alldort begraben, wo er heute noch ruht. | |
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Damals war dort unbebautes Land, bewachsen mit dunklen Sträuchern, die man in der heimischen Sprache Riesenbeeren nannte. Da sich aber in den folgenden Jahren die Wunder mehrten, die an ihrem Grabe zu geschehen pflegten, und der Andrang und die Andacht der Gläubigen zunahmen, wurde daselbst eine Pfarrkirche erbaut, die man Riesenbeck nannte, teils nach den vorhin erwähnten Sträuchern, teils nach dem unweit entspringenden Bächlein. |
| Mitten in der Kirche erblickt man das aus dem massiven steinernen Fußboden ein wenighervorragende Grabmal der seligen Reinhildis.Obwohl an diesem seit alters her beständig geopfert wurde und zahlreiche Wunder geschahen, so ist uns doch wegen der früheren unruhigen Zeit nur folgende Begebenheit überliefert worden: Ein Küster dieser Kirche beging häufig Diebstähle an den Opfergaben. Als es mit ihm zum Sterben kam, stieß er ein fürchterliches Geschrei aus, das dem Wiehern eines Pferdes und anderen Tierlauten glich, und er konnte nicht eher sterben, als bis er sein Gewissen gereinigt und das Entwendete ersetzt hatte.Der obere Stein zeigt eingemeißelt das Bildnis einer sehr schmucken, aufblühenden Jungfrau, die Hände ehrfürchtig erhoben, die Stirn aufwärts gerichtet, die Augen niedergeschlagen; über ihrem Haupte schwebt ein Engel, der ihre glückliche Seele zum Himmel trägt. Oben darüber stehen diese Worte: REINHELDIS' TOD. | |
| Die Legende von Sünte Rende hat der Riesenbecker Maler und Künstler Werner Witthuhn in einem Bild zusammengefaßt. |
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| *Buch Riesenbeck/Aus Vergangenheit und Gegenwart eines münsterländischen Dorfes, Textauszüge aus St. Rheinhildis von Riesenbeck von Heinrich Schauerte |